Artikel-Schlagworte: „Dummheit“

TRIEST: ERNST NOLTE ANTWORTET

Dienstag, 22. Dezember 2009

TRIEST 9.November 2009
Ein überraschender Tag.

Für den Abend des 9 November 2009 war ich von der Stadt Triest durch den Assessor für die Kultur eingeladen worden, die dem Fall der Berliner Mauer vor zwanzig Jahren gewidmeten Feierlichkeiten mit einer Rede in der Sala Revoltella unter dem Titel “Die historischen Voraussetzungen der Errichtung und des Falls der Mauer” zu eröffnen. 

Am Tag meines Eintreffens, dem 8 November, publizierte die lokale Zeitung, der “Piccolo”, ein Interview mit mir über dieses Thema, das ich von Berlin aus gegeben hatte. Es war gut dargeboten und hatte die triviale Überschrift erhalten: “Es sind die Kommunisten, die durch den Fall der Mauer eine Niederlage erlitten haben.” Im Inneren der Zeitung war aber ein Artikel zu lesen, der in der Überschrift sagte: “Die demokratische Jugend: eine Propaganda niedriger Art. Racovelli (die Grünen): die Gemeinde hat eine Revisionisten eingeladen.” Dessen einziges Argument bestand in der Feststellung, Nolte habe den Nazismus als “Antwort auf den Bolschewismus” interpretiert. Dafür, das eine “Antwort”(oder, wie alle kommunistischen Autoren der zwanziger und dreißiger Jahre sagten, “die Reaktion”) als über-proportional oder als inadäquat verstanden werden könnte, legte das Mitglied des Stadtrats kein Verständnis an den Tag. Jedenfalls wurde in dem Artikel für den Abend ein “sit in” vor dem “Haus der Kultur” angekündigt.

Als ich eintraf, füllte sich der Saal immer mehr, weit über die Anzahl der vorhandenen Sitze hinaus. Man sah leicht, dass der größere Teil der Jugendlichen nicht gekommen war, um zuzuhören und dann über den Inhalt des Vortrags zu diskutieren. In der Tat brach um 18,15 Uhr, als der Assessor für Kultur gerade mit seiner Einführung begonnen hatte, ein unbeschreiblicher Lärm los, ohne dass ich auch nur ein einziges Wort hätte sagen können. An klar artikulierten Wörtern war am ehesten der Ruf “Schande” zu vernehmen. Nach einem längerem Augenblick der Überraschung erhob sich indessen auch ein großer Teil derer, die zum Zweck des Hörens gekommen waren, und diese riefen ihrerseits mit großer Lautstärke: “Unverschämtheit! Verlasst sofort den Saal!” Nach etwa einer Viertelstunde hatten die Eindringlinge , von der Polizei gedrängt, den Saal verlassen, und ich konnte mit meinem Vortrag beginnen, der eine Stunde später unter starkem Beifall der Anwesenden, welche die Sitzplätze des Saales noch vollständig füllten, zu Ende ging. 

Ob die Protestler sich jemals ernsthafte Gedanken darüber gemacht hatten, was ein “revisionista” ist und ob nicht der “Fall der Mauer” ein machtvolles Zeugnis für einen praktischen Revisionismus darstellt, nämlich für die unvorhergesehenen, von den üblichen Annahmen abweichenden Wechselfälle der Geschichte, weiß ich nicht, und wer ein paar Seiten und wer ein paar Seiten meine Bücher gelesen hatte, deren Übersetzungen in Italien weit verbreitet sind, der musste wissen, dass ich von einem “politischen” Revisionismus weit entfernt bin, weil ich dem Historiker als solchem die Bereitschaft zu permanenter Revision von Tatbeständen und Interpretationen zuschreibe, die mit dem Willen zur Aufrechterhaltung eines dogmatischen und unveränderbaren Geschichtsbildes nicht vereinbar ist. Offenbar aber waren jene jungen “demokratischen” Männer und Frauen als dogmatischen “Absolutisten” zu bezeichnen, die für die “westliche Demokratie” kennzeichnenden und selbstverständlichen “Relativismus” (oder besser: “Relationismus”) gerade im Augenblick der Feier seines (vielleicht nur temporären) Sieges über das “totalitären” Denken verneinen und herabsetzen wollten. Insofern mag das kleine allem Anschein nach isolierte Ereignis in Triest all denjenigen viel Stoff zum Nachdenken geben, die fröhlichen Mutes den Fall der Mauer feiern zu dürfen glaubten.

http://civiumlibertas.blogspot.com/

ÖSTERREICH ALS GEFÄNGNIS

Samstag, 9. Mai 2009

Verwirrung um Finkelstein-Vortrag

Sollte umstrittener Autor des Buchs “Holocaust-Industrie” an der
Uni Wien auftreten ? Nein, sagt das Rektorat

Wien – Heute, Freitag, verlieh der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden via APA seinem Protest über einen angeblich geplanten Auftritt des umstrittenen US-Autors Norman Finkelstein am 27. Mai auf dem Uni Campus in Wien Ausdruck. In einer von der Vereinigung “AkademikerInnen für Frieden im Nahen Osten” (SPME Austria) und der “Aktion gegen Antisemitismus in Österreich” mitunterzeichneten Aussendung wird Finkelstein, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, als antiisraelischer Agitator bezeichnet. Jetzt stellt Cornelia Blum, Sprecherin des Rektorats, gegenüber derStandard.at klar: “Dieser Auftritt wird nicht stattfinden”. Es sei “nie ernsthaft geplant” gewesen, der Antrag sei zwar tatsächlich gestellt worden, an einem Institut sei das aber nur “durchgerutscht”.

“Relativierung der Shoa”

In seinem Buch Die Holocaust-Industrie vertritt Finkelstein die These, die Zionisten würden den Holocaust dazu nutzen, um Kritik an der israelischen Politik zum Verstummen zu bringen. In der Aussendung heißt es, auch Holocaust-Leugner wie David Irving oder Ernst Zündel würden die Urheberschaft des Titels für sich beanspruchen. Finkelstein trage zur “Relativierung der Shoah und Verbreitung des Antisemitismus” bei, vor allem weil er die Einzigartigkeit des “nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen offen in Abrede stellt”, heißt es weiter.

“Ein Jude spricht die Deutschen frei!”

Die Organisationen sehen gerade in Österreich einen “fruchtbaren Boden” für solche Behauptungen, da es lange Schwierigkeiten mit der Annahme von Schuld gegeben habe. In der Aussendung äußern sie die Befürchtung, dass die Aussagen Finkelsteins “gerade jenen fast 50 Prozent der ÖsterreicherInnen, die meinen, dass die Juden den Holocaust für ihre Zwecke ausnutzen”, bestätigt fühlen. Daher genieße er auch großes Wohlwollen in der rechtsextremen Szene. “Ein Jude spricht die Deutschen frei!”, habe etwa die neonazistische Nationalzeitung im September 2000 euphorisch getitelt. (APA)

 Der Standard. 08.05.2009

http://derstandard.at/?url=/?id=1241622255465